Bürgerinitiative Schaafheim,  

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Noch mehr Sandabbau in Babenhausen - Rodung von 17 Hektar Wald geplant (Leserbrief Babenhäuser Zeitung vom 26.9.2019)

In Südhessen gibt es 30 Abbaubetriebe und viele wurden in den letzten 10 Jahren erweitert.
Nun sollen nicht nur am Akazienhof Flächen für den Sandabbau von der Stadt Babenhausen bereitgestellt werden. Nein, am kommenden Donnerstag entscheidet die Stadtverordnetenversammlung über eine Magistratsvorlage, deren wesentlicher Inhalt die Verpachtung städtischer Waldflächen zur Erweiterung des Kiesabbaus der Firma Kaspar Weiss in südlicher Richtung ist. In mehreren Zeitungen wird berichtet, dass das Unternehmen die Rodung von 170.000 Quadratmeter intaktem Buchen- und Eichenwald plant.
Dies bedeutet in einem Ort an zwei Stellen für zwei unterschiedliche Unternehmen eine Erweiterung des Kiesabbaus. In ganz Hessen gehen mehr als 20.000 qm jeden Tag für die Natur verloren und nun so viel Fläche für den Rohstoff „Sand“ alleine in Babenhausen?

Es wird mit regionaler Rohstoffversorgung argumentiert. Diese ist definiert als Versorgung der Bauwirtschaft in Radius von 35 km mit Sand laut Regionalplan, denn Sand muss für spätere Generationen erhalten bleiben. Die Regionalversammlung soll die regionale Sandversorgung sicherstellen, aber keine Erweiterungen um jeden Preis zulassen.
Auch nach Bergrecht steht der Schutz der Menschen vor den wirtschaftlichen Einzelinteressen der Sandabbaufirmen.

Zur gleichen Zeit in der Klimapakete beschlossen, der UN-Klimagipfel tagt und Millionen Menschen weltweit für Klimaschutz und gegen Klimaerwärmung auf die Straßen gehen, möchten die Lokalpolitiker Babenhäuser Wald unwiderruflich zunichte machen. Jeder Schüler hat in der Schule gelernt, dass Wälder Co2 speichern und es unter Bäumen kühl ist.

Wir fragen die Lokalpolitiker und die Fachbehörden, warum nicht nach ökologischen und klimafreundlichen Gesichtspunkten/Gutachten entschieden wird, wo und wie viel erweitert werden soll. Einzelne Unternehmen verbrauchen Naturraum, obwohl die Natur und die Menschen ihn dringend vor Ort brauchen.

Es gibt immer mehr Starksturmereignisse und Hitzeperioden mit Trockenheit in Babenhausen und seiner direkten Umgebung. Werden Zusammenhänge zwischen Extremwetterereignissen und immer größeren Seen und Sandabbaugebieten untersucht? Wird der Zusammenhang zwischen Sanderweiterung und der Veränderungen der Kaltluftzonen untersucht? Können die Veränderungen von Mikroklima zu Millionenschäden in unserer Region führen? Müssen wir bei Schäden die Rechnung für zusätzliche Erhitzung durch den fehlenden Wald bezahlen?
Die Entscheidung am Donnerstag führt zu weniger Kaltluftzonen in Babenhausen, viel Schwerlastverkehr und vor allem weniger Wald vor Ort. Denn es ist nicht klar, wo im Gemeindegebiet eine Rekultivierung überhaupt stattfinden kann. Somit könnte das Ergebnis eine Belastung mit mehr CO2 in unserer Region die Folge dieser Entscheidung sein. Solche Entscheidungen können die nächsten 8 - 15 Jahren nicht mehr rückgängig gemacht werden und der Wald vor Ort geht verloren.
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Ich fordere von Politikern der Stadtverordnetenversammlung politischen Weitblick und eine Verschiebung der Abstimmung bis nötige weitere Gutachten eingeholt und transparent diskutiert wurden. Alle tragen große Verantwortung für unsere Umwelt und das Erreichen der Klimaziele in Deutschland.

Sabine Schwöbel-Lehmann.


Brauchen wir so viel Sandabbau in Babenhausen?

(Leserbrief in der Babenhäuser Zeitung vom 10.10.2019)

In Südhessen gibt es 30 Abbaubetriebe und viele haben ihre Sandabbauflächen in den letzten Jahren stark erweitert. Oft wird mit der regionalen Rohstoffversorgung, welche die Versorgung der Bauwirtschaft mit Sand im Radius von 35km vorsieht und dem „Bauboom“ im Rhein-Main-Gebiet argumentiert.
Stimmt das? Welche Zusammenhänge gibt es? Kann jede Firma ihren Sandabbau steigern?

 

Droht ohne Erweiterungsflächen der Verlust von Arbeitsplätzen?

Der Sandabbau ist ein Gewerbe, bei dem viel Fläche verbraucht wird, aber wenige Arbeitsplätze geschaffen werden. Es werden große Maschinen genutzt, die den Sand schnell abgraben, so dass für einen Arbeitsplatz Abbauflächen in der Größe von bis zu 4 Fußballfeldern benötigt werden. Der Flächenverbrauch kann an anderer Stelle besser für intelligentes Gewerbe mit modernen Arbeitsplätzen genutzt werden, wo auf weniger Fläche mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. In Hessen gehen insgesamt mehr als 20.000 qm pro Tag für die Natur verloren. Diese Wälder, Felder und Wiesen, welche täglich geopfert werden sowie der wichtige Rohstoff „Sand“ muss für spätere Generationen erhalten bleiben.

 

Brauchen wir den Sand dringend für die boomende Bauwirtschaft?

Laut Statistiken der Bauwirtschaft gab es in den 70er Jahren und Mitte der 90er Jahre einen Bauboom, welcher bereits mit weniger Sandabbauflächen bewältigt wurde. Danach nahm die Bauwirtschaft um zwei Drittel ab und hatte 2008/9 einen absoluten Tiefpunkt. Trotz eines Anstiegs liegen wir derzeit immer noch fast 50 % unter der Bautätigkeit der Boomjahre. Damals wurde mit sehr viel kleineren Abbauflächen die hohe regionale Bautätigkeit mit Sand versorgt.
Ich frage mich, was mit dem vielen Sand passiert, welcher in unserer Region abgebaut wird. Wieso werden im Rodgau, in Schaafheim, in Langen und in Babenhausen Erweiterungen von insgesamt über 100 Hektar geplant? Nimmt die Gier der Sandfirmen zu? Auch am Langener Waldsee werden über 60 Hektar wertvoller Bannwald seit zwei Jahren für ein einziges Kiesunternehmen gerodet (Infos unter www.bi-schaafheim.de).  

Wir fragen die Politiker und die Fachbehörden, warum wird nicht nach ökologischen und klimafreundlichen Gesichtspunkten/Gutachten entschieden, wo und wie viel erweitert werden soll. Über 30 Kiesabbaustellen vernichten natürliche Lebensräume, auch Bannwald, und einzelne Unternehmen verbrauchen Naturraum, denn die Natur und die Menschen im Rhein-Main-Gebiet dringend als unsere grüne Lunge vor Ort brauchen. Es kann nicht jedes Unternehmen ihren Sandabbau permanent steigern, ohne unseren Klimawandel zu beschleunigen.
Die Regionalversammlung, in der Lokalpolitiker aller Gemeinden und Parteien entscheiden, soll die regionale Sandversorgung sicherstellen, aber keine Erweiterungen um jeden Preis zulassen. Wieso werden so viele Abbauflächen von den Politikern und den Behörden nicht kritisch hinterfragt und häufig genehmigt???
 
Unterstützen Städte und Gemeinden die Zerstörung intakter Wälder durch den Verkauf oder die langfristige Verpachtung von „Stadtwald“? Wer unterstützt die Rodung der regionalen „grüner Lunge“ in Babenhausen? Wer schützt Mensch und Natur?

Politiker auf allen Ebenen tragen große Verantwortung für unsere Umwelt in Zeiten der weltweiten Klimakrise. Empörung über Brandrodungen in Brasilien und zeitgleich der großflächige Kahlschlag in Babenhausen passt das zusammen?
Die Boomende Bauwirtschaft bedarf auch in Babenhausen nicht der Erweiterung des Sandabbaus am Akazienhof und zugleich der Rodung von Stadtwald für einen anderen Kiesunternehmer auf der anderen Seite der Stadt.

 Sabine Schwöbel-Lehmann